Eines möchte ich hier in meinem ersten Post vorwegnehmen: es folgt keine Lehrstunde über irgendwelchen pseudoreligiösen Schnick-Schnack, den euch irgendwelche verbohrten Missionare herunterbeten würden. Nichts läge mir ferner.

Ich bin nicht religiös, nicht so erzogen worden, nicht so denkend heutzutage. Wozu dann also diese reißerische Überschrift? Ich habe auf jeden Fall keine neue Religion erfunden, allein schon weil ich mir selbst dann doch wieder zu gerne die Position Gottes zuweisen würde. Soweit lassen wir es aber dann besser mal nicht kommen.

Es ist die Geschichte, eine von vielen, die ich damals in Honduras in mein himmlisches Lebensbuch eingetragen bekam.

IMG_1961Ich komme aus einer Kultur, wichtiger aber vielleicht noch aus einer Familie, in welcher religiöse Elemente wie Gott oder die Bibel so gut wie niemals vorkamen. Auch der Konfirmationsunterricht blieb mir erspart. Meine Mutter hatte mir irgendwann einmal ein Bild von einem Engel ans Bett gehängt und mir erklärt, dass wenn ich mal wieder einen bösen Traum habe, dieser mich dann beschützen würde. Damit war es das dann aber auch mit dem Jenseits unserer Welt von meinen Eltern aus. Nicht einmal zu Weihnachten, dann wenn alle zur Kirche rennen, erachteten meine Eltern es als notwendig, mit dem Strom zu schwimmen.

Szenenwechsel, einige viele Jahre später: meine mir als Kind und Jugendlicher unendlich lang erscheinende und nicht enden wollende Schulzeit war in ihrem finalen Atemzug angekommen. Da ich noch zur Generation Zivildienst angehöre, hatte ich mich erfolgreich für einen Auslandszivildienst bemüht. Das war cool, versprach Abenteuer und war somit ein absolut legitimer Grund, meine kleine Heimatstadt zu verlassen – und zwar für immer.

Ich musste, wie gerade schon oben angedeutet, mich niemals groß mit Religion auseinandersetzten, da halfen auch nicht verschiedenste Religionslehrer, die mir während meiner Schulzeit untergekommen waren. Nicht so hier in Honduras. Hier war das anders. Es war das reale Leben, dem ich nun ausgesetzt war. Gut so, denn mir dämmerte es schon damals gegen Ende meiner Schulzeit, dass ich mal einen guten Arschtritt der Realität gebrauchen konnte.

Endlich das wahre Leben!

Hier war ich also nun, in Honduras. Es geschah in der Hähnchenbude direkt neben der Fabrik in der ich wohnte und der Panamericana, in welcher mir Gott das erste Mal begegnete. Er fragte mich, wie schon so viele Normalsterbliche vor ihm, über mein Heimatland aus und warum ich hier sei. Das Szenario hatte ich im Laufe des Jahres hundertfach. Same story, different guy. Dann aber frage er mich, ob ich an ihn, sprich an Gott glauben würde. –Nein, das täte ich wohl nicht– war meine relativ klare Aussage. Sichtlich erzürnt war Gott nun auf einmal mit mir, der sich nun doch so langsam zu einem der Normalsterblichen entpuppte. –Ja wie, sind wir denn etwa alle als Affen, irgendwann lange vor unserer Zeit, von Baum zu Baum gesprungen?– Schnell nahten auch einiger seiner Jünger heran, um in die Diskussion – nicht zu meinem Vorteil – mit einzusteigen.

IMG_1826Ich musste relativ schnell einsehen dass wenn ich die rege Diskussionsrunde – inzwischen sogar bereichert mit der hübschen Bedienung von hinter dem Tresen – um mich herum zu einem friedlichen Ende bringen wollte, ich mich zu der Aussage hinreißen lassen musste, dass meine Opponenten wohl doch recht hatten. So viele gegen einen einzelnen, die konnten sich ja schließlich nicht täuschen. So versicherte ich allseits, dass ich ab sofort nun auch an Gott glauben würde, was nach kurzen Anzweifelungen dann aber akzeptiert wurde.

Einige Woche später begegnete mir Gott wieder, fragte mich ganz direkt ohne jede Scham. Ich wusste was zu tun war, und zum Seelenfrieden der Anwesenden beantwortete ich meine Glaubensfrage nach Ihm einfach mit einem ‘Ja’. Keine Diskussion, kein Stress, wunderbar.
Als sich diese Frage aber mit der Zeit sich als eine gerne wiederkehrende zu erkennen gab, wollte ich es doch einmal wieder etwas genauer wissen. Ich fragte Gott also

WER oder WAS willst du denn eigentlich genau sein?

Und er antwortete

Nun ich bin alles, der Himmel über der Erde, die Bäume und Flüsse in der Welt, über Leben und Tod bestimme ich…

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Da musste ich nicht lange überlegen, denn daran glaube ich auf keinen Fall. Mein Fehler, denn so waren Gott und ein paar seiner Gefolgen plötzlich wieder da. Diesmal war ich allerdings auch schon etwas besser gewappnet, konnte relativ glaubhaft machen, dass seine Selbsteinschätzung recht hochgegriffen sei, wenn er’s aber dann doch sagte, dann sollte es auch so sein. Den Ärger hatte ich mir gerne gespart.

Der Wahrheit auf den Fersen

Im darauffolgenden folgte ich nun wieder dem Grundsatz dass sobald er auftauchte ich mich ihm ergab, damit er gnädig mit mir war. Ich scheute allerdings auch nicht die Mühe ihn immer wieder zu fragen, als was er selbst sich denn verstehen würde, ohne aber jemals damit auf Konfrontationskurs zu gehen.

Und so sollte ich eines Tages eine Antwort bekommen, die mich überraschte. Denn sie war anders als “Gott ist das übermächtige Wesen im Himmel und du hast ihm dein Leben zu verdanken”. Ein Mann, in dessen Augen ich erkennen konnte, dass er im Leben bereits durch das Feuer gegangen war, erzählte mir

Schau mal, für mich sind es die ganzen guten menschlichen Eigenschaften wie Hoffnung, Liebe, Großmut usw., die ich einfach unter Gott verstehe. Ich kann diese ganzen Eigenschaften aufzählen oder sie einfach unter Gott zusammenfassen. Und daran glaube ich

Interessant! Zumindest sehr viel interessanter als die fortwährend unhinterfragte Glorifizierung des Allmächtigen. Und so sagte ich –Ja, das klingt schon sehr viel mehr danach, was ich glauben könnte, klingt ganz vernüftigt– Und er lächelte. Vielleicht wusste er ja, dass ich Gott schon bald finden würde.

Die Ankunft

Und Gott kam schließlich in Form einer hübschen El Salvadorianerin, die ich versuchte für meine nächtlichen Ambitionen herumzukriegen. Es war genauer gesagt der letzte Abend, den ich in Honduras zubrachte. Auf einer karibischen Insel, auf der man tagsüber tauchen und chillen konnte, am Abend gab es Partys mit allerlei Kokain.

IMG_2059Ich erzählte ihr von meiner Odyssee durch das Jahr und das Land, und meinen Begegnungen mit Gott. Wie er mich immer wieder versuchte zu überzeugen, dass er der Allmächtige sei. Bis er dann irgendwann zu mir kam und mir sagte, dass er auch einfach all die guten menschlichen Eigenschaften sein kann, die in uns drin sind. Also eben Liebe, Mut, Hoffnung, Selbstlosigkeit und halt alles das, was ich als guter Mensch an Charaktereigenschaften als wichtig erachtete. Ja, davon sei ich wahrlich überzeugt, denn das würde ich nun mal auch selbst in mir tragen, das bin ja Ich…

Und dann schaute sie mich an und sagte mir –nun, dann weisst du doch jetzt, WER Gott ist

Ich brauchte einen Moment um zu realisieren, was sie da gerade gesagt hatte.

Die Nacht verbrachte ich dann nicht mehr mit ihr an meiner Seite.
Aber es war der Tag, an welchem ich Gott gefunden hatte.