Es ist eine der Fragen, die mir während meines Psychologiestudiums aufgekommen sind und niemals von meinen Dozenten beantwortet werden konnte. Ich glaube ich war sowieso immer etwas zu philosophisch für deren Geschmack herangegangen, also geht sie an euch weiter:

Warum werden manche Babys mit einem stärkeren Selbstbewusstsein und dem Drang nach Selbstständigkeit geboren und andere wiederum kommen mit einer derart müden Energie zur Welt, als würden sie am liebsten gleich wieder in den warmen Bauch zurückgesteckt werden wollen?

 

Natürlich kann man hier pränatale Dinge ins Feld führen, etwa wie die Mutter sich während der Schwangerschaft ernährt hat, was das Kind bereits im Bauch erfahren hat und ob es in romantischer Liebe gezeugt wurde.

Es setzt die Sozialisation ein, die es im weiteren Verlauf des Lebens maßgeblich formt. Die Art und Weise, wie die Eltern, sofern beide vorhanden, mit ihrem Sprössling grundlegend umgehen und welche Bilder und Gedanken sie in das Kind hineinsetzen entscheidet im großen Maße darüber, was das Kind später selbst einmal denken wird und welche Handlungen es ausführt – oder auch nicht.

Natürlich kann man sich genauso fragen, woher natürliche Freude, Autorität oder Tollpatschigkeit herrührt. Im Versuch, alles logisch ergründen und erforschen zu wollen wird man nach heutigen Methoden irgendwann in Theorien und Zahlengebilden enden, die mit der Realität oft nur noch am Rande etwas mit dem Menschsein zu tun haben.

 

Im Versuch, alles logisch ergründen und erforschen zu wollen wird Theorien enden, die oft nur noch am Rande etwas mit dem Menschsein zu tun haben

 

Wir Menschen handeln letztlich aus wenigen grundlegenden Motiven, die da zurückzuführen sind auf Selbsterhaltung, Fortpflanzung und sozialer Anerkennung. Ja, wir Menschen sind hochsensibel, was sogenannte soziale Stimuli angeht, aus deren sich unsere subjektive Realität, unser Denken und unsere soziale Wahrnehmung zusammensetzt.

Und in dem ganzen Gewusel haben wir täglich Entscheidungen über uns selbst zu treffen, hunderte sind es, und von den meisten bekommen wir überhaupt nichts mit, weil diese bereits automatisiert und/oder unbewusst ablaufen. Sogenannte Scripts, die uns einen logischen Ablaufplan geben, da wir es ansonsten während eines Tages kaum aus dem Bett schaffen würden.

Mangelware

Als Kinder fällen wir so gut wie alle Entscheidungen aus dem Bauch heraus, einfach weil wir gar keine anderen Möglichkeiten haben und uns sowieso noch als Subjekt in dieser Welt begreifen, dass durch seine Handlungen und Entscheidungen etwas verändern kann. Vielen von uns geht diese Fähigkeit im Laufe des Erwachsenwerdens verloren und sehen sich nunmehr als Objekt, jenes das von den äußeren Umständen zufällig von A nach B getrieben wird.

Natürlich hat es durchaus etwas Gutes, dass wir uns ab einem gewissen Alter über etwaige Konsequenzen unserer Entscheidungen und Handlungen Gedanken machen können und uns und anderen Menschen dabei so einiges an Hassle ersparen. Doch wie, auf welcher psychologischen Grundlage, fällen wir unsere Entscheidungen, über die wir angeblich so aktiv nachdenken?

 

Vielen von uns sehen sich im Laufe des Erwachsenwerdens nunmehr als Objekt

 

Viele Entscheidungen oder auch Handlungen geschehen aus Mangel und Angst. Wir sind pünktlich bei der Arbeit, weil wir auf Dauer um unseren Job und unsere Einkommensquelle fürchten müssten. Wir zahlen unsere Versicherungen, damit im Fall des Falles nicht alles verloren ist – na wenn das mal stimmt – und auch unsere Partnerwahl geschieht oftmals, weil wir uns nach jemandem sehnen, der für uns da ist…äh und wir natürlich auch für ihn bzw. sie. Selbst mächtige Vorstandschefs und andere wichtige Entscheidungsträger, die mitunter für das Schicksal vieler Menschen verantwortlich sind, entscheiden und handeln vielmals aus persönlicher Unzulänglichkeit. Wir machen uns von der Meinung anderer abhängig und messen dem mehr Bedeutung zu als unseren eigenen Bedürfnissen. Wir tun Dinge, von denen wir glauben, dass sie irgendjemand von uns erwartet. Und wir verhalten uns oftmals so, dass wir von möglichst allen beliebt sind und nicht anecken.

 

Wir machen uns von der Meinung anderer abhängig und messen dem mehr Bedeutung zu als unseren eigenen Bedürfnissen

 

Denn Immanuel wusste nicht was er sagte

Viel seltener hingegen entscheiden und handeln wir aus einer starken und kraftvollen Position heraus. Damit meine ich die eigene psychologische Kraft, die uns wie ein Fels in der Brandung sein lässt. Jene Zuversicht und Souveränität, die uns auch bei falschen Aktionen unsere Identität nicht in die Krise stürzen lässt, jene die bei einem schlechten Witz den wir gerade gerissen haben und nur wir alleine lachen uns lächelnd die Schultern zucken lässt, jene die uns auch dann zu der eigenen Meinung stehen lässt, wenn sie kontrovers ist und wir als Querulant hingestellt werden. Und jene, die uns für das aufstehen lässt, wofür wir aus Überzeugung einstehen und uns ruhen lässt, wenn wir im Prinzip wissen, dass es sich nicht lohnt, sich über etwas aufzuregen.

Für wie viele Klausuren hast du bereits gelernt, damit du eine schlechte Note verhinderst? Wie oft hast du schon jemandem einen Gefallen getan, obwohl du damit vor allem dir selbst absolut gar kein Gefallen getan hast? Und welchen Job hast du dich entschieden, weil was nochmal genau die Gründe dafür waren?
Ganze Unternehmen und Projekte werden aus dem Mangel heraus gegründet und über viele Jahre hinweg fortgeführt, weil deren Führungskräfte vor allem auf Geld und Prestige aus sind und sich für den Sinn und Zweck ihrer jahrelangen Tätigkeit nur zweitrangig interessieren.

Die Chance, dass Du aus dem Mangel heraus entscheidest sind groß – und allzu menschlich…und passiert mir mit Sicherheit haufig genug. Immanuel Kant täuschte wie er die Behauptung aufstelle, dass der Mensch stets aus der reinen (!) Vernunft heraus handeln würde. Wir würden wohl kaum bei einer Geschwindigkeit von 100km/h ans Handy gehen wenn wir rational abwägen würden, dass die Gefahr, dass dies womöglich unser letzter Anruf sein könnte, nur um nicht irgendetwas oder irgendjemanden zu verpassen, wesentlich mehr von Bedeutung ist als den Kollegen 15 Minuten später kurz zurückzurufen, wenn man das Fahrzeug still steht. Und trotzdem tun wir es alle Nase lang.

Wenn’s mal richtig läuft

Und wir alle kennen aber auch das Gefühl aus der inneren psychologischen Kraft heraus Entscheidungen zu treffen. Und auch kennen wir jene Sequenzen im Leben, in welchen uns alles glücklich zuzufallen scheint, und das dann auch immer noch genau zum richtigen Zeitpunkt.

Noch heute Morgen hast du überlegt, wo und wie du wo und vor allem wann einen neuen Kühlschrank besorgen willst, denn sowohl die Zeit, als auch das Geld und die Energie wüsstest du bei weitem besser investiert – allein dass der alte Kühlschrank schlicht und einfach fällig ist. Und dann das! Auf dem Nachhauseweg später am Nachmittag siehst du zwei Nachbarhäuser weiter, dass heute Abend eine Wohnungsauflösung stattfinden wird und ergatterst ein Prachtmodel für wenig Geld und der Nachbar hilft dir mit seiner Sackkarre sogar noch, das Teil zu dir hinzubekommen. Bingo!

Das fühlt sich verdammt gut an, und zwar für beide von euch. Dein Nachbar kann sich jetzt endlich ohne Gewissensbisse seinen begehbaren Überkühlschrank zulegen und du hast ein wahres Schnäppchen geschlagen. Alles Zufall?

Fragen wir rein auf Rationalität getrimmte Menschen (Immanuel, wie war das gleich noch?), jene, die nur an wissenschaftlich belegbare Fakten und Replizierbarkeit glauben, die für Dinge wie Karma, Spiritualität und überhaupt alles Transzendente als nichtig abtun, so fällt die Antwort klar aus: selbstverständlich ist das alles nur Zufall.

Werde Bundeskanzler in deinen Gedanken

Wie aber kommt es, dass manche Menschen gewisse Dinge mehr anziehen als andere Menschen? Wieso haben bestimmte Persönlichkeiten den Hang dazu, irgendwelche Tragödien oder Ärger auf sich zu ziehen oder warum wirken manche Männer aus unerklärlichen Gründen auf Frauen anziehender als andere?

Unsere Welt, unsere subjektive wohlgemerkt, manifestiert und materialisiert sich durch unsere Gedanken. Damit sei bitte nicht gemeint, dass weil so gut wie alle Menschen in Äthiopien oder in einem vergleichbarem Land alle „arm“ denken deswegen auch „arm“ sind.

Aber frage Dich selbst:

Kannst Du Staatsoberhaupt Deines Landes werden?
Hast du jemals auch nur den Gedanken daran verschwendet, dass dies theoretisch für dich drin sei? Nein? Dann ist die Chance auch sehr hoch, dass das niemals eintreten wird. Wenn du dich damit hingegen Jahre und Jahre beschäftigen würdest und mit der festen dieses Ziel angehen würdest, dann wäre zwar noch lange nicht gesagt, dass du das auf jeden Fall schaffen würdest, aber du kämst dem mit Sicherheit um einiges näher als wenn du eben niemals auch nur die Möglichkeit in Betracht ziehst.

Original Du

Und wie das im Leben so häufig passiert eröffnen sich einem auf dem Weg dahin viele neue ungeahnte Möglichkeiten, von denen man womöglich merkt, dass dies auch keine schlechte Variante darstellt und man mitunter diese Abzweigung nimmt. Weil du vielleicht für dich spürst, dass jetzt gerade dies am besten für dich passt. Weil du merkst, dass irgendwelche alten Ziele und Ambitionen überholt sind und nun sich deine Bedürfnisse verändert haben, bzw. du hast mehr zu dir selbst gefunden und gemerkt, was dir tatsächlich wichtig ist. Das können durchaus auch Dinge sein, die du vor noch nicht allzu langer Zeit noch fleißig im Glauben für dich abgelehnt hast, dass jene niemals eine Rolle in deinem Leben spielen könnten.

Wenn du diese neuen Dinge zulässt und somit alte im Frieden hinter dir lässt, dann handelst du aus einer kraftvollen Position. Du magst damit vielleicht so manch gute Freunde oder Familie damit bestenfalls in Erstaunen und schlechtestenfalls in Verärgerung versetzen, solange es sich für dich richtig anfühlt bist du in deiner Kraft und jene Meinungen anderer Leute tangieren dich nur peripher. Du handelst aus einer kraftvollen Position, weil du nicht der Illusion vermeintlicher äußerlicher Sicherheiten verfallen bist, sondern du selbst dein ruhender Pol bist. Du suchst dir dein Partner nach deinen Vorlieben aus und nicht nach dem, was die Gesellschaft als Maßstäbe ansetzt.

Ein- und dasselbe Resultat kann aus völlig verschiedenen Positionen herrühren. Die meisten Menschen aber spüren sehr gut, ob du dir selbst letztlich etwas vorspielst oder ignorierst, oder aber ob die Dinge und Handlungen eben aus kraftvollen Zügen aus dir selbst heraus geschehen.